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Wir, das waren Achim, Jürgen, Partrick,
Hanns, Tom, Andreas und ich. In Emetten bei den Eidgenossen am Vierwaldstätter
See fand das ganze Spektakel statt. Mit einer 14köpfigen DGC-Gruppe waren
wir dort hin gereist, um Urlaub und Weltrekord miteinander zu verbinden.
Nach langer Zeit mal wieder richtig viel Luft
unter den Schirm bekommen - diese Vorstellung versetzte uns schon Tage vor
der Abreise in nervöse Spannung. In der Schweiz sorgte eine sehr stabiles
Hoch dafür, daß die Bedingungen für alle beherrschbar blieben. Da hatte
sogar Marlis, von schlechten Erfahrungen am Finkenberg und in St. Hillaire
gezeichnet, Gelegenheit, die Freude am Fliegen wieder zu finden. Das neue
Feeling verflog allerdings ganz schnell wieder, als Marlis mit Tom und mir
zu einem "Massenstart" aufbrach. Die unflätigen Beschimpfungen,
die sie ausstieß, als Tom ihr gleitschirmmäßig auf die Pelle rückte,
sind nicht druckreif. Die beiden Fliegerkollegen, die wie die Motten um
das Licht, um ihren Frantic kreisten, machten unsere Elfe doch ganz schön
nervös. Pech nur, daß Ehemann Rudi da ganze Szene auf Video bannte und
dabei auch nicht vergaß, den Funk ans Mikro der Kamera tu halten - und
das Vox-System von Marlis funktionierte bei diesem Flug wirklich
ausgezeichnet.
Natürlich nutzten wir auch die Gelegenheit,
in der Schweiz Tandem zu fliegen. Bi Beta und Fat Willy standen zur
Auswahl. Tom und ich verschwanden mit dem Advanced-Doppelsitzer für einen
Abendflug zum Wirzwelli-Horn. Ich brachte ja einen ausgebildeten Dummy als
Passagier. Wenn ich allerdings geahnte hätte, daß unser Vorhaben in
einen kraftraubende Turnstunde ausarten würde, hätte ich mir das sicher
noch einmal überlegt. Denn nur mit vereinten Kräften gelang es uns tatsächlich,
das schwache Aufwindband für 30 Minuten zu nutzen. Tom turnte sich vor in
seinem Gurtzeug allerdings den Wolf, um flache Kreise zu ermöglichen.
Seinem Tip " Du mußt auch die kurvenäußere Seite stärker
anbremsen", konnte ich nur bedingt folgen: Der Pilot schwächelte ein
wenig. Beim Anbremsen auf Schulterhöhe fing das große Zittern an. Tom
hat sich darüber köstlich amüsiert.
Dabei sollte gerade er aufpassen, daß er
nicht als Dealer angezeigt wird. Denn Tom hat seine gesamte Familie auf
einen ganz bösen Trip geschickt. Toms Mutter schnupperte wahrscheinlich
zuviel Höhenluft bei den Tandemflügen mit ihrem Sohn. Wie sonst war das
glückselige Lächeln und der entrückte Gesichtsausdruck zu erklären.
Auch sein Vater war - unbeeindruckt von unseren eindringlichen Warnungen -
in die Luft gegangen und mit dem Flugvirus infiziert wieder gelandet.
Trotz der Hitze und der Sonne hatten wir aber
auch mit einem Kälteproblem zu kämpfen. Hanns hatte für sein
Geburtstagsgrillen am See extra Fleisch und Würstchen aus Deutschland
mitgebracht. Als Transportbehältnis wählte er eine Kühltruhe, die ihre
Aufgabe sehr ernst nahm. das Fleisch war nämlich nicht nur kalt, sondern
auch gefroren. Die Fleischbrocken mußten dann ein bißchen länger auf
dem Grill verweilen, was vor allem die Schweizer Barbeque-Spezialisten amüsierte.
Gar nicht komisch war meine erste
Steilspirale. Ich hatte bei meinem ersten Flug in der Schweiz natürlich
nichts besseres zu tun, als Tom alles nachzufliegen. "Hoppla, das
sieht von oben aus wie eine Steilspirale." Also nichts wie hinterher.
"Naja, schön schnelle Kreise fliegt der X-Act ja." (Übrigens
hing ich zu ersten Mal unter dem Ding.) "Aber da muß doch noch mehr
kommen." Allerdings kam da noch mehr!! Irgendwer stieß mir heftig
ins Kreuz - und ab ging die Luzi. Mein Vario und ich kotzten um die Wette.
Gottseidank habe ich vor lauter Schreck die Bremsleine nicht plötzlich
losgelassen. Auch nach weiteren Versuchen flößen mir die Leute, die Spaß
am Spiralen haben, einen heiden Respekt ein.
Aber natürlich war der Weltrekordversuch das
wichtigste am ganzen Urlaub. Hanns, Patrick, Andreas, Tom, Jürgen und ich
wagten schließlich die Teilnahme - obwohl wir dafür um 6 Uhr aufstehen
mußten. Andreas hatte damit die meisten Schwierigkeiten. Und mit dem
Laufen zum Startplatz. Rund 200 Höhenmeter in einer Stunde, das ist eine
stolze Leistung, wirklich!!! Recht ungewöhnlich für uns Flachlandflieger
war die hohe Handy-Dichte am Startplatz knapp unter dem Gipfel. Sogar kurz
vor dem kollektiven Abheben schrillte ein penetrantes Klingeln durch die
geladene Atmosphäre. Trotz dieser Unwägbarkeiten, die eine konzentrierte
Startvorbereitung nahezu unmöglich machten, gingen dann 263 ( O-Ton:
zwiihundretdrüunsechsk) Schirme und Piloten in die Luft. das müssen und
die -Zensur- aus Österreich erst einmal nachmachen.
Marcus Scheid
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