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Weltrekord

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Neuer Weltrekord. 263 Gleitschirmflieger gleichzeitig in der Luft,
und wir mittendrin.

Einer der 5 Landeplätze nach dem Weltrekord

Wir, das waren Achim, Jürgen, Partrick, Hanns, Tom, Andreas und ich. In Emetten bei den Eidgenossen am Vierwaldstätter See fand das ganze Spektakel statt. Mit einer 14köpfigen DGC-Gruppe waren wir dort hin gereist, um Urlaub und Weltrekord miteinander zu verbinden.

Nach langer Zeit mal wieder richtig viel Luft unter den Schirm bekommen - diese Vorstellung versetzte uns schon Tage vor der Abreise in nervöse Spannung. In der Schweiz sorgte eine sehr stabiles Hoch dafür, daß die Bedingungen für alle beherrschbar blieben. Da hatte sogar Marlis, von schlechten Erfahrungen am Finkenberg und in St. Hillaire gezeichnet, Gelegenheit, die Freude am Fliegen wieder zu finden. Das neue Feeling verflog allerdings ganz schnell wieder, als Marlis mit Tom und mir zu einem "Massenstart" aufbrach. Die unflätigen Beschimpfungen, die sie ausstieß, als Tom ihr gleitschirmmäßig auf die Pelle rückte, sind nicht druckreif. Die beiden Fliegerkollegen, die wie die Motten um das Licht, um ihren Frantic kreisten, machten unsere Elfe doch ganz schön nervös. Pech nur, daß Ehemann Rudi da ganze Szene auf Video bannte und dabei auch nicht vergaß, den Funk ans Mikro der Kamera tu halten - und das Vox-System von Marlis funktionierte bei diesem Flug wirklich ausgezeichnet.

Natürlich nutzten wir auch die Gelegenheit, in der Schweiz Tandem zu fliegen. Bi Beta und Fat Willy standen zur Auswahl. Tom und ich verschwanden mit dem Advanced-Doppelsitzer für einen Abendflug zum Wirzwelli-Horn. Ich brachte ja einen ausgebildeten Dummy als Passagier. Wenn ich allerdings geahnte hätte, daß unser Vorhaben in einen kraftraubende Turnstunde ausarten würde, hätte ich mir das sicher noch einmal überlegt. Denn nur mit vereinten Kräften gelang es uns tatsächlich, das schwache Aufwindband für 30 Minuten zu nutzen. Tom turnte sich vor in seinem Gurtzeug allerdings den Wolf, um flache Kreise zu ermöglichen. Seinem Tip " Du mußt auch die kurvenäußere Seite stärker anbremsen", konnte ich nur bedingt folgen: Der Pilot schwächelte ein wenig. Beim Anbremsen auf Schulterhöhe fing das große Zittern an. Tom hat sich darüber köstlich amüsiert.

Dabei sollte gerade er aufpassen, daß er nicht als Dealer angezeigt wird. Denn Tom hat seine gesamte Familie auf einen ganz bösen Trip geschickt. Toms Mutter schnupperte wahrscheinlich zuviel Höhenluft bei den Tandemflügen mit ihrem Sohn. Wie sonst war das glückselige Lächeln und der entrückte Gesichtsausdruck zu erklären. Auch sein Vater war - unbeeindruckt von unseren eindringlichen Warnungen - in die Luft gegangen und mit dem Flugvirus infiziert wieder gelandet.

Trotz der Hitze und der Sonne hatten wir aber auch mit einem Kälteproblem zu kämpfen. Hanns hatte für sein Geburtstagsgrillen am See extra Fleisch und Würstchen aus Deutschland mitgebracht. Als Transportbehältnis wählte er eine Kühltruhe, die ihre Aufgabe sehr ernst nahm. das Fleisch war nämlich nicht nur kalt, sondern auch gefroren. Die Fleischbrocken mußten dann ein bißchen länger auf dem Grill verweilen, was vor allem die Schweizer Barbeque-Spezialisten amüsierte.

Gar nicht komisch war meine erste Steilspirale. Ich hatte bei meinem ersten Flug in der Schweiz natürlich nichts besseres zu tun, als Tom alles nachzufliegen. "Hoppla, das sieht von oben aus wie eine Steilspirale." Also nichts wie hinterher. "Naja, schön schnelle Kreise fliegt der X-Act ja." (Übrigens hing ich zu ersten Mal unter dem Ding.) "Aber da muß doch noch mehr kommen." Allerdings kam da noch mehr!! Irgendwer stieß mir heftig ins Kreuz - und ab ging die Luzi. Mein Vario und ich kotzten um die Wette. Gottseidank habe ich vor lauter Schreck die Bremsleine nicht plötzlich losgelassen. Auch nach weiteren Versuchen flößen mir die Leute, die Spaß am Spiralen haben, einen heiden Respekt ein.

Aber natürlich war der Weltrekordversuch das wichtigste am ganzen Urlaub. Hanns, Patrick, Andreas, Tom, Jürgen und ich wagten schließlich die Teilnahme - obwohl wir dafür um 6 Uhr aufstehen mußten. Andreas hatte damit die meisten Schwierigkeiten. Und mit dem Laufen zum Startplatz. Rund 200 Höhenmeter in einer Stunde, das ist eine stolze Leistung, wirklich!!! Recht ungewöhnlich für uns Flachlandflieger war die hohe Handy-Dichte am Startplatz knapp unter dem Gipfel. Sogar kurz vor dem kollektiven Abheben schrillte ein penetrantes Klingeln durch die geladene Atmosphäre. Trotz dieser Unwägbarkeiten, die eine konzentrierte Startvorbereitung nahezu unmöglich machten, gingen dann 263 ( O-Ton: zwiihundretdrüunsechsk) Schirme und Piloten in die Luft. das müssen und die -Zensur- aus Österreich erst einmal nachmachen.

 

Marcus Scheid

 

 

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Stand: 17. Dezember 2004