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Ölüdeniz 2006

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Zum Saison-Abschluß eine Woche "Babadag" / Türkei

Ein kleines Stimmungsbild

von Wolfgang Ort (DGC-Siebengebirge)

(Ein paar Fotos findet Ihr am Ende dieses Berichtes)

 

Im Oktober 2006 nahm ich (zusammen mit Vereinskollegen Chrischan) an der vom Nachbarverein RML angebotenen Club-Reise teil.

Von Klaus (aus dem RML-Vorstand) hervorragend organisiert, der wie die beiden anderen RML-Piloten Andreas und Karl-Heinz mit kompletter Familie anreiste. Unser "Basis-Lager" war das lobenswerte und für Familienurlaube hervorragend geeignete Ölüdeniz Resort Hotel.

Ich buchte im Gegensatz zu allen anderen nur eine Woche. Für mich genug Zeit, dieses vielbesungene Flieger-Eldorado einmal kennenzulernen.

Die fliegerische "Ausbeute" für mich waren dennoch 11 unvergessliche Flüge (bei 14 Auffahrten). Und Von sieben Tagen waren fünf fliegbar. Also dreimal fuhr ich wieder mit hinunter; zweimal mutterseelenallein; die Fliegerfreunde zogen einen Abflug am Wolkenrand oder durch Wolkenlöcher vor. Und beim dritten Male kehrte die komplette Piloten-Ladung von 2 Transportern wegen strömenden Regens vom 800-er Startplatz zurück, nicht ohne währenddessen die Ausrüstungen vom Dach zu holen und ins trockene Innere zu verfrachten (man wollte ja am nächsten Tag wieder fliegen....), aber so viel gehäufter Optimismus (von 20 Piloten) hat auch den Dauerregen nicht gestoppt. Nochmals zu betonen: es regnete schon während der Auffahrt in Strömen !

Die Gewalt dieses Regens (besser gesagt: Unwetters) konnte man am nächsten Tag an den etlichen Muren und Schlammlawinen im Gebirge und auch an tiefen Wasserfurchen im Strand ermessen. Auch die Auffahrt zum Gipfel war für einen Tag unpassierbar. Ein Nervenkitzel beider Auffahrt am nächsten Tag: das Vorbeifahren an Engstellen, wo der Fahrweg teilweise weggebrochen ist.

Hervorzuheben war die wunderbare Atmosphäre innerhalb der Reisegruppe, die Gespräche innerhalb unserer Gruppe zwischen "groß und klein, die sehr guten Kontakte zu anderen Fliegern. Schön auch die Gespräche, die überhaupt nichts mit dem Fliegen zu tun hatten ... Man sah sich an den neuralgischen Punkten wie Pool und Pool Bar, auf der Frühstücksterrasse auf der Wiese am Strand (mit startbereit gepackter Flug-Ausrüstung).

An letzterer Stelle oder auch mal an der Hotelrezeption holte uns Halil (Chef der Paraglidingtransports) oder auch einer seiner Fahrer ab zur Bergauffahrt. Nach Süden zum wunderbaren 800-er Startplatz, vorbei am Lykia Hotel, oder nach Norden zu den beiden Gipfelstartplätzen des Babadag (S:1700 und N/S:1900 m). Wohin es zum Starten ging, wurde manchmal erst im fahrenden Auto entschieden, oder die Fahrer übernahmen diese Entscheidung.

Ein Abendflug, der in Erinnerung bleibt:

Die Wolkensituation (beobachtet am Swimming Pool) ließ keine sichere Prognose für einen Start zu. Hochgefahren sind wir zu viert, dazu noch eine Gruppe Schweizer( mit neonfarbenen leuchtenden Schirmen und Overalls). Nebelstochern und Rätselraten am oberen Startplatz. Wir schauten den startenden Schweizern zu, die so langsam in der Wolkenwand verschwanden. Bei einem uns gerne (von der Familie in der Gipfel-Station) angebotenen wärmenden Chai haben wir uns für die Abfahrt entschieden.

Jedoch mit meinem für mich fast verhängnisvollen Stopp am 1700-er, an dem nach 10 Minuten der Weg ins Tal wieder vorbeiführt: "Nur mal 5 Minuten schauen", hieß es in der kleinen Runde.

Wir entschieden uns aber sofort für einen Start, da urplötzlich die Küste mit dem Sandstrand gut zu sehen war. Der Kameramann vom Fliegertreff "Cloud9" war auch noch da und stellte sich in mit der Kamera in Position. Es hatte ja den Tag über fast nichts zu filmen. Auch wohl deswegen mußten wir starten. Und dies schnell, da es höchstens noch eine halbe Stunde Tageslicht gab.

Das Ergebnis:

Die Wolken kamen wieder, dies schneller als ich dachte und stellten sich mir in den "Weg".

Nach 20 Minuten Flug mit "angelegten Ohren" Außenlandung neben der Moschee oberhalb der geschlossenen Bebauung von Ölüdeniz! Ich musste nämlich der vom Meer in die Bucht schnell hineindrängende Wolkenwand ausweichen und so geriet ich immer weiter weg vom ursprünglichen Landeplatz. Ich wusste ja nicht, wie tief der Wolkenvorhang reichte. Wie ich – es war schon fast dunkel und die Straßenbeleuchtung schon an – eine geeignete stromleitungsfreie Fläche zum Landen suchte und fand, hörte ich im Positionsflug heftiges Autohupen und lautes Rufen unter mir auf der Serpentinenstraße, sah die Lichthupe und mit den Armen wild gestikulierende Autoinsassen. Es waren zwei junge Einheimische aus Ölüdeniz, die mein "Geschick" beobachtet hatten und meine Landewiese (ein kleiner Ziegen-Pferch) schon erreichten, bevor ich einlandete.

Ein Beweis türkischer Gastfreundschaft: Sie packten den Schirm in den schon geöffneten Kofferraum, darüber das Gurtzeug und Helm, und fuhren mich zum Hotel. Ich mußte dem jungen Fahrer versprechen, eine E-Mail zu schicken, wenn ich wieder in "Cologne" bin. Er war noch nie in Deutschland, denn "dafür muss man dort türkische Verwandtschaft haben".

Was besonders in Erinnerung bleibt:

Das wunderbare Panorama vom Gipfel des Babadag ("Vater Berg") über die lykische Küste mit der einmaligen Lagune Ölüdeniz ("Totes Meer") und das bis ans Meer ragende Taurus-Gebirge. Odysseus und seine Gefährten (in Homers Odyssee) hätten den Rundblick ebenso genossen, wenn nicht dieser einäugige Zyklop (Polyphem) gewesen wäre. Aber dieser geblendete Riese hätte mit seinen wild um sich werfenden Felsbrocken wohl auch mit Gleitschirm zu fliehen versuchende Argonauten vom Himmel geholt.

Weiter: die in jeder Hinsicht ideale Landemöglichkeit am Strand neben der Promenade, das Baden im Mittelmeer, Klönen am Pool und an der Pool Bar;

eine Wanderung in die nächste Bucht Richtung Fethye, der nicht weit entfernten Hafenstadt, das nächtliche Sternengucken (Sternbild Delphin) am Strand; das Sonnenhalo (Doppelsonne), beobachtet auf dem Babadag (Foto);

und nicht zuletzt die Blüten (weiß und rot) der Hibiskus– Sträucher in der Hotelanlage.

Weiteres mögen die Bilder erzählen.

Fazit:

Für mich als Genussflieger (mit ein klein wenig Tendenz zu sportlichem Fliegen) ein wunderbarer Urlaub. Und der Vorsatz: Ich schaue mal wieder vorbei!

Für die Auffahrten zu den beiden 1700/1900-er Startplätzen auf dem Gipfel des Babadag waren 15 Lira für den Transport, 15 Lira Forest-Taxe zu berappen, die Auffahrt zum 800-er Startplatz erforderte nur die Transportgebühr von 15 Lira. Also mit ungefähr 15 EUR war man bei der großen Auffahrt mit dabei, mit der Hälfte bei der kleinen zum südlichen und mit einer eigenen Auffahrt versehenen 800-er Startplatz.

Die Schirme kann man von professionellen Jungs zusammenpacken lassen (3 bis 5 Lira).

1 EUR entsprach zum Zeitpunkt 1,9 Lira.

Wolfgang Ort, Bonn

P.S.

  1. im Flieger-Cafe "Cloud9" konnte man seine Starts und Landungen mehrmals am Tage per Video beobachten, da mangels Piloten (wegen des nahen Saison-Endes) die Wiederholschleifen immer kürzer wurden.
  2. Das massive Blechschildchen , das auf ein in Strandnähe (Einflugschneise) befindliches grünes Häuschen mit zwei Türen verweist, steht wieder an seiner richtigen Stelle ...
  3. Eine Episode am Rande .... (nicht erfunden):

Ein Dialog zwischen einem deutschen älteren Ehepaar mit einem soeben gelandeten Flieger am Landeplatz, einem Problem-Ort, wo neugierige Zuschauer einem beim Schirmpacken stören, da man ständig beim Antworten die gebückte Haltung verlassen muss, um nicht unhöflich zu wirken ...:

Frau: Ist es nicht zu warm im Overall?

Flieger: Ja, den ziehe ich ja gerade aus!

Frau: Haben Sie die Veröffentlichung vom Bürgermeister von Ölüdeniz gelesen, wonach das Gleitschirmfliegen gefährlich ist?

Flieger: Nein

Frau: Das müssten Sie mal lesen!

Flieger: Ja

Frau: Wie lange waren Sie denn da oben?

Flieger. Wo?

Frau: In der Luft!

Flieger (gelogen und doch wahr): Sehr lange.

Frau: Lohnt sich das?

Flieger: (brummelte vor sich hin.)

Frau: Da oben ist es auch sicher kalt!

Flieger: Ja

Frau (sehr informiert): Wissen Sie, dass übernächste Woche die Air-Games hier stattfinden?

Flieger: Ja

Frau: Machen Sie da mit?

Flieger: Nein, bin nur diese Woche hier.

Frau: Das müssten Sie mal mitmachen, ist sehr interessant ...

... nach ca. 10 Minuten Gespräch ....

Mann: "Schade, dass Sie Ihren Schirm noch nicht fertig gepackt haben, sonst hätten Sie jetzt mit denen da vorne wieder mit hochfahren können. Aber die fahren gerade los!"

Das Ehepaar verabschiedete sich ...

Und ich fuhr mit den nächsten.

 

Und nun ein paar Bilder...

 

 

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Stand: 09. November 2006