Im Oktober 2006 nahm ich
(zusammen mit Vereinskollegen Chrischan) an der vom Nachbarverein RML
angebotenen Club-Reise teil.
Von Klaus (aus dem RML-Vorstand) hervorragend organisiert, der wie die
beiden anderen RML-Piloten Andreas und Karl-Heinz mit kompletter Familie
anreiste. Unser "Basis-Lager" war das lobenswerte und für
Familienurlaube hervorragend geeignete Ölüdeniz Resort Hotel.
Ich buchte im Gegensatz zu allen anderen nur eine Woche. Für mich
genug Zeit, dieses vielbesungene Flieger-Eldorado einmal kennenzulernen.
Die fliegerische "Ausbeute" für mich waren dennoch 11
unvergessliche Flüge (bei 14 Auffahrten). Und Von sieben Tagen waren
fünf fliegbar. Also dreimal fuhr ich wieder mit hinunter; zweimal
mutterseelenallein; die Fliegerfreunde zogen einen Abflug am Wolkenrand
oder durch Wolkenlöcher vor. Und beim dritten Male kehrte die komplette
Piloten-Ladung von 2 Transportern wegen strömenden Regens vom 800-er
Startplatz zurück, nicht ohne währenddessen die Ausrüstungen vom Dach
zu holen und ins trockene Innere zu verfrachten (man wollte ja am
nächsten Tag wieder fliegen....), aber so viel gehäufter Optimismus (von
20 Piloten) hat auch den Dauerregen nicht gestoppt. Nochmals zu betonen:
es regnete schon während der Auffahrt in Strömen !
Die Gewalt dieses Regens (besser gesagt: Unwetters) konnte man am
nächsten Tag an den etlichen Muren und Schlammlawinen im Gebirge und auch
an tiefen Wasserfurchen im Strand ermessen. Auch die Auffahrt zum Gipfel
war für einen Tag unpassierbar. Ein Nervenkitzel beider Auffahrt am
nächsten Tag: das Vorbeifahren an Engstellen, wo der Fahrweg teilweise
weggebrochen ist.
Hervorzuheben war die wunderbare Atmosphäre innerhalb der Reisegruppe,
die Gespräche innerhalb unserer Gruppe zwischen "groß und klein,
die sehr guten Kontakte zu anderen Fliegern. Schön auch die Gespräche,
die überhaupt nichts mit dem Fliegen zu tun hatten ... Man sah sich an
den neuralgischen Punkten wie Pool und Pool Bar, auf der
Frühstücksterrasse auf der Wiese am Strand (mit startbereit gepackter
Flug-Ausrüstung).
An letzterer Stelle oder auch mal an der Hotelrezeption holte uns Halil
(Chef der Paraglidingtransports) oder auch einer seiner Fahrer ab zur
Bergauffahrt. Nach Süden zum wunderbaren 800-er Startplatz, vorbei am
Lykia Hotel, oder nach Norden zu den beiden Gipfelstartplätzen des
Babadag (S:1700 und N/S:1900 m). Wohin es zum Starten ging, wurde manchmal
erst im fahrenden Auto entschieden, oder die Fahrer übernahmen diese
Entscheidung.
Ein Abendflug, der in Erinnerung bleibt:
Die Wolkensituation (beobachtet am Swimming Pool) ließ keine sichere
Prognose für einen Start zu. Hochgefahren sind wir zu viert, dazu noch
eine Gruppe Schweizer( mit neonfarbenen leuchtenden Schirmen und
Overalls). Nebelstochern und Rätselraten am oberen Startplatz. Wir
schauten den startenden Schweizern zu, die so langsam in der Wolkenwand
verschwanden. Bei einem uns gerne (von der Familie in der Gipfel-Station)
angebotenen wärmenden Chai haben wir uns für die Abfahrt entschieden.
Jedoch mit meinem für mich fast verhängnisvollen Stopp am 1700-er, an
dem nach 10 Minuten der Weg ins Tal wieder vorbeiführt: "Nur mal 5
Minuten schauen", hieß es in der kleinen Runde.
Wir entschieden uns aber sofort für einen Start, da urplötzlich die
Küste mit dem Sandstrand gut zu sehen war. Der Kameramann vom
Fliegertreff "Cloud9" war auch noch da und stellte sich in mit
der Kamera in Position. Es hatte ja den Tag über fast nichts zu filmen.
Auch wohl deswegen mußten wir starten. Und dies schnell, da es höchstens
noch eine halbe Stunde Tageslicht gab.
Das Ergebnis:
Die Wolken kamen wieder, dies schneller als ich dachte und stellten
sich mir in den "Weg".
Nach 20 Minuten Flug mit "angelegten Ohren" Außenlandung
neben der Moschee oberhalb der geschlossenen Bebauung von Ölüdeniz! Ich
musste nämlich der vom Meer in die Bucht schnell hineindrängende
Wolkenwand ausweichen und so geriet ich immer weiter weg vom
ursprünglichen Landeplatz. Ich wusste ja nicht, wie tief der
Wolkenvorhang reichte. Wie ich – es war schon fast dunkel und die
Straßenbeleuchtung schon an – eine geeignete stromleitungsfreie Fläche
zum Landen suchte und fand, hörte ich im Positionsflug heftiges Autohupen
und lautes Rufen unter mir auf der Serpentinenstraße, sah die Lichthupe
und mit den Armen wild gestikulierende Autoinsassen. Es waren zwei junge
Einheimische aus Ölüdeniz, die mein "Geschick" beobachtet
hatten und meine Landewiese (ein kleiner Ziegen-Pferch) schon erreichten,
bevor ich einlandete.
Ein Beweis türkischer Gastfreundschaft: Sie packten den Schirm in den
schon geöffneten Kofferraum, darüber das Gurtzeug und Helm, und fuhren
mich zum Hotel. Ich mußte dem jungen Fahrer versprechen, eine E-Mail zu
schicken, wenn ich wieder in "Cologne" bin. Er war noch nie in
Deutschland, denn "dafür muss man dort türkische Verwandtschaft
haben".
Was besonders in Erinnerung bleibt:
Das wunderbare Panorama vom Gipfel des Babadag ("Vater Berg")
über die lykische Küste mit der einmaligen Lagune Ölüdeniz
("Totes Meer") und das bis ans Meer ragende Taurus-Gebirge.
Odysseus und seine Gefährten (in Homers Odyssee) hätten den Rundblick
ebenso genossen, wenn nicht dieser einäugige Zyklop (Polyphem) gewesen
wäre. Aber dieser geblendete Riese hätte mit seinen wild um sich
werfenden Felsbrocken wohl auch mit Gleitschirm zu fliehen versuchende
Argonauten vom Himmel geholt.
Weiter: die in jeder Hinsicht ideale Landemöglichkeit am Strand neben
der Promenade, das Baden im Mittelmeer, Klönen am Pool und an der Pool
Bar;
eine Wanderung in die nächste Bucht Richtung Fethye, der nicht weit
entfernten Hafenstadt, das nächtliche Sternengucken (Sternbild Delphin)
am Strand; das Sonnenhalo (Doppelsonne), beobachtet auf dem Babadag
(Foto);
und nicht zuletzt die Blüten (weiß und rot) der Hibiskus–
Sträucher in der Hotelanlage.
Weiteres mögen die Bilder erzählen.
Fazit:
Für mich als Genussflieger (mit ein klein wenig Tendenz zu sportlichem
Fliegen) ein wunderbarer Urlaub. Und der Vorsatz: Ich schaue mal wieder
vorbei!
Für die Auffahrten zu den beiden 1700/1900-er Startplätzen auf dem
Gipfel des Babadag waren 15 Lira für den Transport, 15 Lira Forest-Taxe
zu berappen, die Auffahrt zum 800-er Startplatz erforderte nur die
Transportgebühr von 15 Lira. Also mit ungefähr 15 EUR war man bei der
großen Auffahrt mit dabei, mit der Hälfte bei der kleinen zum südlichen
und mit einer eigenen Auffahrt versehenen 800-er Startplatz.
Die Schirme kann man von professionellen Jungs zusammenpacken lassen (3
bis 5 Lira).
1 EUR entsprach zum Zeitpunkt 1,9 Lira.
Wolfgang Ort, Bonn
P.S.
- im Flieger-Cafe "Cloud9" konnte man seine Starts und
Landungen mehrmals am Tage per Video beobachten, da mangels Piloten
(wegen des nahen Saison-Endes) die Wiederholschleifen immer kürzer
wurden.
- Das massive Blechschildchen , das auf ein in Strandnähe
(Einflugschneise) befindliches grünes Häuschen mit zwei Türen
verweist, steht wieder an seiner richtigen Stelle ...
- Eine Episode am Rande .... (nicht erfunden):
Ein Dialog zwischen einem deutschen älteren Ehepaar mit einem soeben
gelandeten Flieger am Landeplatz, einem Problem-Ort, wo neugierige
Zuschauer einem beim Schirmpacken stören, da man ständig beim Antworten
die gebückte Haltung verlassen muss, um nicht unhöflich zu wirken ...:
Frau: Ist es nicht zu warm im Overall?
Flieger: Ja, den ziehe ich ja gerade aus!
Frau: Haben Sie die Veröffentlichung vom Bürgermeister von Ölüdeniz
gelesen, wonach das Gleitschirmfliegen gefährlich ist?
Flieger: Nein
Frau: Das müssten Sie mal lesen!
Flieger: Ja
Frau: Wie lange waren Sie denn da oben?
Flieger. Wo?
Frau: In der Luft!
Flieger (gelogen und doch wahr): Sehr lange.
Frau: Lohnt sich das?
Flieger: (brummelte vor sich hin.)
Frau: Da oben ist es auch sicher kalt!
Flieger: Ja
Frau (sehr informiert): Wissen Sie, dass übernächste Woche die
Air-Games hier stattfinden?
Flieger: Ja
Frau: Machen Sie da mit?
Flieger: Nein, bin nur diese Woche hier.
Frau: Das müssten Sie mal mitmachen, ist sehr interessant ...
... nach ca. 10 Minuten Gespräch ....
Mann: "Schade, dass Sie Ihren Schirm noch nicht fertig gepackt
haben, sonst hätten Sie jetzt mit denen da vorne wieder mit hochfahren
können. Aber die fahren gerade los!"
Das Ehepaar verabschiedete sich ...
Und ich fuhr mit den nächsten.