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Emberger Alm 2004

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Vereinsausflug Emberger Alm

Die Krokusse auf den Almwiesen gaben schon ihr Bestes als Botschafter des Frühlings. Doch das Beste ist manchmal nicht gut genug. Wenn ein ausgewachsenes Genuatief seine Fronten in den Alpenraum schickt, ist Schmuddelwetter programmiert, selbst wenn ein rheinischer Fliegerclub sich anschickt, die Lufthoheit über Greifenburg zu erobern. Da wird schnell aus einem "et hät noch immer jot jejange" das realistischere "et kütt wie`t kütt!"

Und so gestaltete sich der diesjährige Vereinsausflug des DGC Anfang Mai ins "Flug-Eldorado" Emberger Alm im österreichischen Sonnenland Kärnten für die streckenhungrigen Flieger zur Geduldsprobe. Hört es auf zu regnen? Bricht die Sonne heute noch durch? Hebt sich dieser Nebel im Tal? Kommt der Hausbart in Schwung? Ja, ja, ja, ja, lauteten immerhin fast täglich die kurzen Antworten vom "fliegenden Wirt" Wolfgang Sattlegger auf diese Fragen. Allerdings galt der Begriff "kurz" dabei auch für die Zeitspanne, in der die Antworten ihre Gültigkeit behielten.

Um dem negativen Anfang dieses Texte ein Ende zu bereiten: Es gab auch fliegbare Tage, der Beste war gleich zu Beginn der Sonntag. Da zeigte das Drautal, warum es bei XC-Piloten einen so guten Ruf genießt. Der Hausbart seitlich vor dem Start stand wie eine fette eins, pumpte die Schirme mit bis zu 6 m/s bis an die noch relativ niedrigen Wolken und manch Unerschrockenen sogar hinein. Leicht über Grathöhe ging es vom Naßfeldriegel über den Gaugen zum Stagor, von dort übers Tal hinweg Richtung Weißensee und zurück zum Landeplatz. Nicole beispielsweise konnte so ein geschlossenes Dreieck mit über 30 km erfliegen (s. Text xx??). Andere, die sich noch weiter noch Osten vorwagten, bekamen im Talknick nach Sachsenburg allerdings den starken Wind zu spüren und dabei ordentlich eins "auf die Mütze" - was nicht nur mit deutlichem Höhenverlust, sondern mit einer ungewollten Außenlandung bestraft wurde.

Der praktische Teil des Streckenflugseminars mit Ronny Herchen war damit allerdings schon beendet. Denn was an den nächsten Tagen folgte, waren die vier oben genannten Fragen mit den kurzen Ja-Antworten. Aufreißender Himmel, Sonnenschein, der die Feuchtigkeit aus dem Tal dorthin schickte, wo sie zuvor hergekommen war. Ein paar Starts nach dem Durchzug eines Nebelfeldes und vor dem Eintreffen des nächsten, ganz im Vertrauen auf die freie Sicht im Tal. Abgleiter in fast vollkommen ruhiger Luft. Am Spätnachmittag dann noch das Erlebnis der seltsam bockigen Form einer Umkehrthermik. Da trug das ganze Tal in den Pulsen der Kaltluftschwapper, die vom Weißensee herunterfielen. Eine ungewohnte Erfahrung, denn aus der quirlenden und springenden Luft konnte man sich nicht einfach auf einer Seite herausfallen lassen. Selbst in die angelegten Ohren drang noch das Piepsen des Varios. Eine Reise wie auf einem flatternden fliegenden Teppich.

Angesichts solcher und widrigerer Verhältnisse in der freien Atmosphäre, wo sich Flieger zwar gerne beäugen, aber ungern näher kommen, konnte der Vereinsausflug auf menschlicher Ebene umso deutlicher punkten. Wer gemeinsam aus der warmen Hütte einen Tag lang ins Graue starrt, lernt die Geduld und den Galgenhumor der anderen zu schätzen. Hinzu kommen die Annehmlichkeiten einer hervorragenden Unterkunft mit trockener und feuchter Sauna, guter Küche und gutem Bier. Dass allerdings auch Wirt Wolfgang nicht mit so viel Wetter-Schöntrinkbedarf gerechnet hatte, deutete sich an, als das Schwarzbierfass vorübergehend trocken fiel.

Um dennoch an schlechten Fliegertagen Hoffnung und Laune nicht zu verlieren, kann moderne Technik hilfreich sein. Ein Notebook, ein Beamer, ein paar Fliegerfilme, schon ist die Lust wieder geweckt. Ronny hatte da wohl schon seine Erfahrungen und dankenswerterweise entsprechend vorgesorgt. Bilder vom Start am Morgen trugen zur Erheiterung bei. Klappende Schirme, schießende Schirme, elegante - und glimpflich verlaufende - Abroller am Hang, Tandempiloten, die sich von ihren Passagieren in die Luft rennen ließen, während sie sich schon im Gurtzeug lümmelten. Dazu noch ein paar Lehrstunden aus Ronnys Flugtechnikwissen. Auch so verging die Zeit mit praktischer Anschauung fast "wie im Fluge".

Nunja, der Geduldsfaden war dennoch bis Mittwoch deutlich angespannt. Cheforganisator Hartmut - dem an dieser Stelle nochmals ein großes Lob und Dank für seinen unermüdlichen Einsatz zuteil werden darf - sprach am Abend davon, möglicherweise früher abzureisen. Doch wie der Wettergott so spielt, war der nächste Tag zumindest am nachmittag wieder so passabel fliegbar, dass die Hoffnung nochmals Oberwasser bekam. Da der Glauben an die Serie auch unter Gleitschirmfliegern grassiert ("Wenn’s heute ging, wird’s morgen doch wohl auch gehen"), konnten alle noch miterleben, wie schnell die Krokusse ihre Kelche schließen, wenn eine Schneeflocke geflogen kommt. Und es blieb nicht nur bei einer.

Eine Moral hat die Geschichte nicht. Eine Lehre durchaus: Fürs Gleitschirmfliegen gibt es keine Garantie. Wir hängen nicht nur an einem Stück Stoff, sondern auch am Wetter. Hättest Du es gewusst? Die Antwort sei verraten: Ein kurzes Ja. Bis zum nächsten Mal.

Lucian

Hier geht es zum Foto-Album "Emberger Alm 2004"

Wer mehr über das Fluggebiet Emberger Alm erfahren will, findet im Internet viele Infos. Interessante Links:

www.embergeralm.at : Der Gasthof von Fliegerwirt Wolfgang Sattleger, 300m vom Start entfernt.

www.fliegercamp.at : Der Campingplatz direkt am Landeplatz.

www.lahmeente.de/xc-emberger.html : Einer von vielen Berichten im WWW über die Streckenflugmöglichkeiten rund um Greifenburg, mit Thermikkarten zum Download.

 

 

 

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