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Monaco 2002 |
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Wie die Rheinländer mit der Schwabenwolke kämpften
Über Karneval ins sonnige Monaco (siehe
auch die Bilder dazu: Fotoalbum) Es gibt
apokalyptische Ereignisse, die bei Völkern immer wieder zu Wanderungsbewegungen
führten – und weiter führen. Krieg, Naturkatastrophen, Seuchen – und
Karneval. Letzterer bewirkt bei einer kleinen Gruppe von DGC-Mitgliedern nun
schon seit einigen Jahren eine Fluchtreaktion. Statt Bützcher und Kamelle
stehen sie auf Fliegen, Sonne und Meer – und sitzen den Karnevalstrubel in
Monaco/Roquebrune aus. In diesem Jahr waren Andreas Keppeler, Günther Keppeler,
Andreas Geuss, Dieter Heuchemer, Eckehard Behrens, Frank Bötcher, Hanns,
Bubenheim und Markus Scheid auf der Flucht. Die abenteuerlichen Erlebnisse in
ihrem Exil sind im folgenden Tatenbericht für die Nachwelt festgehalten. Mittwoch:1.
Tag Nach mehr als 12 Stunden Fahrt durch Regen endlich in Roquebrune – und
Regen. Wirklich enttäuscht ist keiner, kann doch endlich das Schlafdefizit
beseitigt werden. Noch schnell das erste Frühstück auf französischem Boden
– dann tauchen alle ab in Morpheus Reich. Am späten Nachmittag immer noch Regen, aber das Abendessen hellt die
Minen wieder auf. Donnerstag:
2. Tag Kaum zu glauben – Sonne! Nach einem ausgiebigen Frühstück (wer weiß,
wann wir heute die nächste Mahlzeit bekommen) verschaffen wir Günther erste
Eindrücke in die französische Straßenbau-Philosophie und in die landesübliche
Fahrkultur. Am Start treffen wir alte Bekannte. Das Nova Test-Team mit Mario Eder und
Walter Holzmüller nimmt seine Arbeit auf. Die Profis schaffen es sogar bei ungünstigen
überregionalen Winden aus NO-O und schwacher Thermik oben zu bleiben. Ganz im
Gegensatz zu Andreas Geuss und Markus. Die beiden schubsen unseren
A-Schein-Neuling Frank noch in die Luft, danach geht am Nachmittag nichts mehr.
2 Stunden relaxen am Start bis es den Kollegen am Strand zu langweilig wird und
sie den Taxidienst organisieren. Freitag:
3. Tag Sonne und Fliegen. Trotz der leidigen NO-O-Strömung geht etwas.
Thermisch ist es wieder zäh, also ist einfaches Genussfliegen angesagt. Kein
Problem, bei 20 Grad und tiefgrünem Wasser. Einfach ein geiler Blick! Samstag:
4. Tag Schon wieder Sonne, schon wieder Fliegen. Langsam wird die Fliegerei
nervig! Nein, nicht wirklich. Denn die Thermik wird besser. Jeder kann sich
halten, einige weit über eine Stunde. Walter Holzmüller sucht einen schweren
Tandempassagier: Andreas Keppeler fliegt gerne mit. Während Andreas von Walter
eine Flugstunde unter dem Tandem erhält – und Mario Eder die beiden aus der
Luft von einem zweiten Schirm aus fotografiert – bewacht Hanns derweil am
Start die Ausrüstung von Andreas. Mario landet zwar wieder Top, aber ohne
Walter und Andreas. Walter will sich mit dem Tandem nicht durch die Fliegerwolke
über dem Start kämpfen. Dummerweise saufen die beiden ein paar Minuten später
ab. Sie halten sich 20 Minuten zäh immer ein paar Meter unterhalb des Starts,
aber Toplanden ist nicht mehr. Hanns bewacht währenddessen oben treu und brav
die Ausrüstung – bis es für einen Flug zu spät ist. Immerhin bestaunen wir
gemeinsam am Landeplatz noch die Wasserlandung eines Tschechen nur wenige Meter
vom Strand entfernt. Schnell sind viele Helfer zu Stelle, ziehen den Kollegen
auf den Sand. Schadenfreude kommt nur wenig auf, denn ohne Hilfe wäre der
Flieger vermutlich ertrunken. So wie schon einer in diesem Jahr. Sonntag:
5. Tag oder Carlson vom Dach Sonne, was sonst? Und wieder diese blöde NO-Strömung. Also wieder wenig
Wind von vorne. Die schwache Thermik nutzen Walter und Andreas für einen
weiteren Tandemflug – inklusive DHV-Testprogramm. Vermutlich von dieser Vorführung
inspiriert, versucht sich auch Frank in Akro. Anders ist zumindest seine Landung
auf einem Dach nicht zu erklären. Den Hausbesitzer freut´s, lässt er sich
doch jetzt auf Kosten der Versicherung sein Dach sanieren. Es scheint nicht
Carlsons (vormals Frank) Tag zu sein. Um die schlechten Gedanken von der Dachlandung zu verdrängen, hebt er am
Nachmittag nochmals ab (es dauert etwas, bis ein Gleitschirmflieger von einem
Dach gestiegen ist). Diesmal geht (fast) alles glatt. Zumindest passiert Carlson
die kritischen Häuserdächer ohne Problem. Und um dieses Ereignis gebührend zu
feiern, flaggt er den Strand gleich mit seinem Schirm aus. Ecki lernt übrigens endlich nach Vario zu fliegen. Erste Maßnahme:
befestigen des Hightech-Instrumentes am Gurtzeug. Ecki hat das gute Stück zwar
schon vor einem halben Jahr von seiner Liebsten geschenkt bekommen, sich bisher
aber standhaft geweigert, diesen neumodischen Kram zu benutzen. Brav fliegt er
sein Vario seither in seiner Beintasche spazieren, ärgert sich aber darüber,
dass der Ton von so weit unten nicht zu ihm herauf dringt. In Monaco wird
endlich das Problem gelöst: Wofür hat ihm seine Frau eigentlich schon vor
Monaten den Löffelhalter geschenkt? Es ist der Tag der Akro-Cracks (von Carlson mal abgesehen). Die Renegades
– ein junges Akro-Team aus Österreich - tauchen auf und zeigen über unseren
Köpfen ihre Figur „Downplane“. Und als wir Carlsons Schirm aus den Büschen
zerren, schwebt hinter uns noch Mike Küng nach einem verspäteten
Nachmittags-Flug ein. Montag:
6. Tag Immer noch Sonne. Mittlerweile gibt es viele Indianer in der Gruppe. Sind
wohl alle ein bisschen zu dicht an der Sonne geflogen. Reinhold Weber und Klaus
Goehring stoßen zur Gruppe dazu. Der Betrieb am Startplatz nimmt aber nicht
wegen ihnen zu. Tschechen, Belgier, Franzosen, Deutsche und Schwaben – viele
Nationalitäten sorgen für tumultartige Szenen auf dem Teppich. Bei der
Startshow verschlägt es sogar den Profis die Sprache. Bei diesen guten
Vorbildern dachte sich Markus wohl, er könne sich mit einem Tandemstart nicht
blamieren. Mit seinem Start tatsächlich nicht. Aber mit der Landung. Markus hat
nicht mit dem Altersstarrsinn seines Co-Piloten Dieter Heuchemer gerechnet. Der
beschließt nämlich in 1,65 Meter Höhe: „Markus, dass ist mir zu schnell.
Das laufe ich nicht.“ Sprach es und lehnt sich, die Beine steif nach vorn
gestreckt, in sein Gurtzeug zurück. Der siamesische Bocksprung ist so
vorprogrammiert. Zum Trost für die missglückte Landung gibt´s ein
aufmunterndes „Das sehe ich heute nicht zum ersten Mal“ von einer
Zuschauerin. Dienstag:
7. Tag oder „Die Schwaben-Wolke“ Wieder Sonne – diesmal allerdings nur über dem Strand. Über den
Startplatz schieben sich Wolken, die wegen des Seewindes in ihrer Position
verharren. Glück für uns Tuchflieger, denn die Sonne-Wolken-Wind-Konstellation
lässt wirklich tolle Thermik entstehen. Direkt nach dem Start geht es hoch,
leider nur 250 Meter weit. Denn so tief hängt das Kondensat über dem
Startplatz. Wolken-Jojo ist angesagt: aufdrehen bis der Nebel den Schirm
umschließt, mit Vollgas weg von der Wolke, Höhe vernichten und wieder rein in
den Bart. Ungetrübte Fliegerfreuden – wenn da nicht die „Gleitschweine“
(das steht tatsächlich – und nicht zu unrecht - auf deren T-Shirts) aus
Schwaben wäre. Wenn man sich nämlich beim Höhevernichten verschätzt und der Weg in
den Bart etwas zu lang wird, muss man sich durch die Schwaben-Wolke arbeiten.
Die Flieger von der Schwäbischen Alb kleben fast alle auf Niveau des
Startplatzes, widersetzen sich beharrlich den Versuchen der Thermik, sie höher
zu heben. Durch dieses Gewusel muss sich durchkämpfen, wer beim Wolken-Jojo zu
übermütig geworden ist. Ein Trip, der nur was für starke Nerven ist und
selbst den wackersten Flieger vor dem dritten Versuch zum Landeplatz treibt.
Immerhin, wer starke Nerven hat, der kann Mike Küng, Mario Eder, Walter Holzmüller
und Co auskurbeln. Auch dann noch ein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass die
Jungs anders zu tun haben, als sich am Wolken-Jojo zu beteiligen. Mittwoch:
8. Tag Wieder Sonne – aber kein Fliegen. Man glaubt es kaum, aber alle haben
sich „satt“ geflogen. Die Abreise wird deshalb um einen halben Tag
vorgezogen. Nur Klaus und Reinhold bleiben noch bis zum nächsten Wochenende.
Durch strahlenden Sonnenschein geht´s Richtung Heimat. Dort hatte sich in den
zurückliegenden 7 Tagen nichts geändert. Regen, genau wie bei der Abreise.
Doch! Etwas ist anders - die Tropfen sind wärmer geworden. Markus
Scheid |
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